ZU NACHHALTIGER WERTENTWICKLUNG
VERPFLICHTET

GESPRÄCH MIT DEN MITGLIEDERN DES VORSTANDS DER ÖSTERREICHISCHEN POST AG

2010 war ein Jahr vielfältiger Veränderungen bei der Post – welche Initiativen standen hier im Vordergrund?
PÖLZL:
Es war uns im Jahr 2010 wichtig, die eingeschlagene Strategie konsequent zu verfolgen und gleichzeitig an der Weiterentwicklung des Konzerns zu arbeiten. Als zentrale Basis dafür haben wir im Rahmen einer breit angelegten Wertediskussion richtungweisende Ziele für uns und unsere Mitarbeiter definiert. Ein wichtiges Ziel ist es, kundenorientiertes Handeln im Berufsalltag aller Mitarbeiter zu verankern. Diese bewusste Beschäftigung mit den Werten, für die wir stehen, hat im Unternehmen enorm viel verändert.

Und wie ist die wirtschaftliche Entwicklung der Post im vergangenen Jahr zu bewerten?
JETTMAR:
Wir sind mit der Entwicklung 2010 in Summe sehr zufrieden. Es ist gelungen, den Umsatz auf vergleichbarer Basis um 0,3% bzw. 7,6 Mio EUR auf 2.351,1 Mio EUR zu steigern. Das Briefgeschäft ist nur relativ wenig zurückgegangen, im Paketgeschäft haben wir wie erwartet Zuwächse erzielt. Und da wir kostenseitig immer darauf achten, effizient zu sein, konnten wir unsere Ergebnissituation weiter verbessern.




Was waren die wesentlichen Elemente des Strategieprojekts Post@2011? Gibt es neben der Verteidigung der Marktführerschaft in Österreich auch Wachstumschancen?
PÖLZL: Die Marktführerschaft in unserem Kerngeschäft konnten wir behaupten – müssen aber weiterhin gegen die elektronische Substitution kämpfen. Deshalb setzen wir auf Wachstum im Paketbereich und wollen damit die unvermeidlichen Einbußen im Briefbereich mehr als ausgleichen. Hier ist es uns 2010 einmal mehr gelungen, die Chancen im dynamischen nationalen und internationalen Geschäft zu nutzen.

„... wollen Kundenorientierung noch stärker vorantreiben ...“

Und wie steht es dabei mit der Profitabilität im Paketgeschäft?
MENDE:
Im Jahr 2010 haben wir den Turnaround im Paketgeschäft geschafft – das Ergebnis konnte von minus 9,3 Mio EUR auf plus 11,0 Mio EUR gedreht werden. Die Marge, die derzeit mit rund 1% noch relativ bescheiden ist, wollen wir mittelfristig auf 4–5% steigern. Daran arbeiten wir sowohl umsatz- als auch kostenseitig.

Wie groß ist der Beitrag der internationalen Aktivitäten im Vergleich zum Inlandsgeschäft? Und wie geht es da weiter?
MENDE: Derzeit stammen ca. 75% unseres Paket- und Logistikumsatzes aus dem internationalen Geschäft. Wir erwarten auch weiterhin Mengenwachstum im Paketgeschäft und sehen uns somit in unserer Strategie bestätigt. Unser primäres Ziel liegt aber in der Steigerung der Ertragskraft der internationalen Tochtergesellschaften.

Sie wollen Ihr neues Leitbild möglichst stark bei den Mitarbeitern verankern. Was tun Sie dafür?
PÖLZL: Das Leitbild ist mir wirklich sehr wichtig. Das versuche ich, bei jeder Gelegenheit auch den Mitarbeitern zu vermitteln und ihnen vor allem auch vorzuleben. Jede Führungskraft ist gleichzeitig auch ein Wertebotschafter, das gilt natürlich auch für mich. Durch einen kulturellen Wandel im Umgang miteinander, mit Kunden und Partnern, die Stärkung der Identifikation mit dem Unternehmen und die Steigerung der Attraktivität des Unternehmens wird es uns auch gelingen, das Leitbild mit Leben zu füllen.

Wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell der Post angesichts des Drucks auf das Volumen im Briefgeschäft?
HITZINGER: Unsere mittelfristigen Planungen basieren tatsächlich auf der Annahme eines stetigen Volumenrückgangs im Briefgeschäft, dem aber gleichzeitig eine kontinuierliche Steigerung der Paketmengen und -umsätze gegenübersteht – beides nicht zuletzt getrieben durch die neuen technischen Möglichkeiten des Internets. In Summe streben wir mittelfristig ein moderates Wachstum an und betrachten unser Geschäftsmodell daher definitiv als nachhaltig.

Was bedeutet eigentlich die vollkommene Marktöffnung bei Briefen ab Jänner 2011 für Sie?
HITZIGER:
Wir haben uns vorgenommen, gerade im vollkommen liberalisierten Briefmarkt die Kundenorientierung noch stärker zu leben und einfache, selbstbedienungs- bzw. onlinefähige Lösungen zu forcieren. Unser neues Produktsortiment im Brief etwa wird auf leicht verständlichen, primär formatabhängigen Kriterien basieren und nicht vorwiegend auf Gewicht. Großkunden werden außerdem die Wahlmöglichkeit zwischen Standard- und Priority-Sendungen haben. Wir sehen uns jedenfalls mit unseren Produkten und Dienstleistungen auch für den voll liberalisierten Markt gerüstet.


„... bieten solides Geschäftsmodell und attraktive Renditen ...“

Das Filialnetz unterliegt einem enormen Veränderungsprozess. Wird sich mit der Neustrukturierung auch seine Ertragskraft wieder erhöhen?
GÖTZ:
So ist es. Vor dem Hintergrund der bereits weit fortgeschrittenen Umwandlung eigenbetriebener Filialen zu Post Partnern und der erfolgreichen Neugestaltung unserer Kooperation mit der BAWAG P.S.K. wird sich die Ergebnissituation in den nächsten Jahren stetig verbessern. Nach der Restrukturierung werden die Division Filialnetz, deren Aufgabenbild sich ja vollkommen gewandelt hat, und die Division Brief Anfang 2012 zusammengelegt.

Bewährt sich das Konzept der Post Partner? Was sagen die Kunden dazu?
GÖTZ:
Unseren Umfragen zufolge wird die große Anzahl der Post Partner sehr gut angenommen, weil es sehr praktisch ist, beim Nahversorger oder in der Apotheke gleich auch Postwege mit zu erledigen – meist sogar bei längeren Öffnungszeiten. Außerdem ist das Netz durch die Vielzahl an neuen Post Partnern dichter geworden – die Zahl der Poststandorte ist allein 2010 von 1.552 auf 1.850 gestiegen.

Wie sehen Ihre Erwartungen für 2011 aus?
JETTMAR: Wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind, unsere mittelfristigen Zielvorgaben auch 2011 zu erreichen. Das bedeutet, dass wir ein leichtes Umsatzwachstum anpeilen. Die EBITDA-Marge sollte auch weiterhin in der Bandbreite zwischen 10% und 12% liegen. Somit gehen wir auch für 2011 von einer soliden Geschäftsentwicklung aus.


Was sagen Sie einem Anleger, der Sie fragt, ob er in die Post investieren soll?
PÖLZL: Die Post bietet – und das ist für den Großteil unserer klassischen Anleger besonders wichtig – nicht nur ein solides Geschäftsmodell, sondern auch eine attraktive Dividendenpolitik. Seit dem Börsegang im Jahr 2006 haben wir dem Anleger eine Wertsteigerung seines Investments (Total Shareholder Return) von über 69% geboten – das ist die Summe aus den ausgeschütteten Dividenden und der zusätzlich eingetretenen Kurssteigerung. Für viereinhalb Jahre eine beachtliche Rendite.


Das heißt, Aktionäre können auch in Zukunft auf stabile Dividenden zählen?
PÖLZL:
Richtig, denn wir peilen auch weiterhin eine Auszahlung von zumindest 75% des Nettoergebnisses an. Unsere Dividendenpolitik steht natürlich auch im Zusammenhang mit unseren Wachstumschancen. Die Ausschüttung soll sich jedenfalls mit der Geschäftsentwicklung weiterentwickeln. Dieser nachhaltigen Wertentwicklung fühlen wir uns – natürlich unter der Voraussetzung eines entsprechenden Geschäftsverlaufes – auch verpflichtet.


Danke für das Gespräch.